Land & Meer

Fluß & Landschaft


Der Fluß - Hydrologie

Die Weser ist ein Unikum. Sie erhält ihren Namen untypischerweise nicht an der Quelle, sondern erst am Zusammenfluß von Werra und Fulda in Hann. Münden - dem Ort, an dem der vermeintliche Kuß von Werra und Fulda den Fluß Weser entstehen lassen soll.

Dies ist eine liebenswürdige Legende - mehr nicht: Weser und Werra sind Flüsse mit identischem Namensursprung. Weil die Werra früher bis Hann. Münden auch Wisura genannt wurde, ist sie tatsächlich der Quellfluß der Weser. Dieser Name geht zurück auf den althochdeutschen Namen Wisur/Wisura. Mit der Endung "aha" bedeutete ”Wisuraha” schiffbarer Fluß. So grenzte man damals den schiffbaren Teil von dem nichtschiffbaren Teil eines Flußlaufes ab.

 

Werra

Die Werra - und damit letztlich die Weser - entspringt im südlichen Thüringer Wald bei Fehrenbach am Rennsteig und ist ca. 298 km lang. Das oberirdische Wassereinzugsgebiet umfaßt am Zusammenfluß von Werra und Fulda in Hann. Münden ca. 5496 qkm. Der mittlere Wasserabfluß der Werra beträgt rund 50 cbm pro Sekunde. In Niedrigwasserzeiten wird nur eine Wasserführung von ca. 12 cbm pro Sekunde erreicht, während bei Hochwasser der Wasserabfluß bis zu 115 cbm pro Sekunde erreichen kann.

 

 

Fulda

Die Fulda-Quelle ist in der Rhön auf der Wasserkuppe zu finden, durchfließt das hessische Bergland in einer weiten Talsenke und erreicht eine Länge von ca. 218 km. Das oberirdische Wassereinzugsgebiet umfaßt ca. 6945 qkm. Die mittlere Wasserführung beträgt ca. 58 cbm pro Sekunde. Die Eder, die aus dem Rothaargebirge kommt, ist mit einer Länge von 177 km ein bedeutender Nebenfluß der Fulda.

 

Wesereinzugsgebiet

Die Weser ist der längste deutsche Fluß, der ausschließlich nur durch Deutschland fließt. Wenn sie in die Nordsee bei Bremerhaven mündet, liegen ca. 432 km Lauflänge hinter ihr, die Werra-Kilometer mitgerechnet sogar 730 km.

 

Das Wassereinzugsgebiet der Weser umfaßt eine Fläche von ca. 46.306 qkm, davon ca. 12440 qkm Werra und Fulda. Im Vergleich betrachtet, hat es etwa die Größe der Schweiz oder Dänemarks.

 

Vom gesamten wasserwirtschaftlichen Einzugsgebiet der Weser entfallen auf die Bundesländer

Niedersachsen 26729 qkm 57,7 %

Hessen 8969 qkm 19,4 %

Nordrhein-Westfalen 4963 qkm 10,7 %

Thüringen 4490 qkm 9,7 %

Sachsen-Anhalt 710 qkm 1,5 %

Bremen 397 qkm 0,9 %

Bayern 48 qkm 0,1 %

 

Oberweser

Als Oberweser wird der Fluß in seinem Oberlauf von Hann. Münden bis zur Porta Westfalica bei Minden ( 205 km ) bezeichnet. Das oberirdische Einzugsgebiet der Oberweser umfaßt ca. 19162 qkm. Die waldreiche Landschaft der Mittelgebirgszüge Reinhardswald, Bramwald, Solling, Vogler, Weser- und Wiehengebirge kennzeichnen das Weserbergland. Zwischen den bis zu 300 m hohen Bergzügen hat sich die Oberweser ihr Flußbett gegraben. Wo sie auf weichere Gesteinsschichten trifft, hat sie über Jahrtausende die bergige Landschaft abgetragen und Flußniederungen geschaffen. An der Porta Westfalica, der weithin sichtbaren Pforte zwischen Weser- und Wiehengebirge, tritt die Weser in das Norddeutsche Tiefland ein und erhält nunmehr die Bezeichnung Mittelweser.

 

Die Oberweser ist ein typischer Mittelgebirgsfluß und hat starke Schwankungen in der Wasserführung. Im Winterhalbjahr kommt es hier zu starken Hochwassern, im Sommer dagegen herrscht oft extremes Niedrigwasser. Für den Pegel Porta Westfalica beträgt

- die mittlere Wasserführung rund 180 cbm/sek.

- die niedrigste Wasserführung rund 63 cbm/sek.

- die höchste Wasserführung rund 830 cbm/sek.

 

Am Beginn der Oberweser, am Pegel Hann. Münden, können die Niedrigwasserabflüsse noch wesentlich geringer sein: Werte um 30 cbm/sek. sind keine Seltenheit. Die Fließgeschwindigkeit des Wassers in der Oberweser, in der das natürliche Gefälle aufgrund der geographischen Situation am stärksten ist, hängt vom jeweiligen Wasserstand ab. Bei mittlerem Niedrigwasserstand beträgt die Fließgeschwindigkeit etwa 0,8 m/sek.

 

Mittelweser

Die Mittelweser ist der rund 157 km lange Abschnitt zwischen Minden und Bremen (Tidegrenze). Bis zur Allermündung ( südlich von Bremen) verläuft sie in einer ca. 3 km breiten Talniederung, bevor sie dem eiszeitlichen Aller-Weser-Urstromtal mit seinen breiten Flußmarschen folgt. Geest und Marsch bestimmen das Bild der Landschaft.

 

Schleusenanlagen und sieben Stauwehre in der Mittelweser sorgen für eine konstante Wassertiefe, die eine ganzjährige Befahrbarkeit mit Binnenschiffen ermöglicht. Das oberirdische Einzugsgebiet der Mittelweser umfaßt ca. 37495 qkm.

Für den Pegel Intschede (südl. von Bremen) beträgt

- die mittlere Wasserführung rund 320 cbm/sek.

- die niedrigste Wasserführung rund 120 cbm/sek.

- die höchste Wasserführung rund 1200 cbm/sek.

 

Bei mittlerem Niedrigwasserstand beträgt die Fließgeschwindigkeit etwa 0,5 - 0,7 m/sek. - die relativ geringe Fließgeschwindigkeit ist durch die Staustufen in der Mittelweser bedingt. Die ”Reisedauer” eines Wasserkörpers von Hann.Münden bis Bremen schwankt je nach Wasserführung zwischen 2,5 bis 6 Tagen, im Mittel etwa 4 Tage.

 

 

 

Unterweser

Die Unterweser - von Bremen(Weserwehr) bis Bremerhaven - ist als Seewasserstraße ausgebaut. Ab hier ist die Weser ein Tidefluß, denn die Gezeiten bestimmen die Fließgeschwindigkeit und den Tidenhub, den regelmäßig veränderten Wasserstand durch Ebbe und Flut. Dieser Weserabschnitt gehört mit zu den am stärksten ausgebauten Flüssen der Erde. Schutzdeiche begleiten die Ufer der Unterweser, bis sie in Bremerhaven in die Nordsee mündet.

 

Die Wassermenge in der Unterweser beträgt bei mittlerem Abfluß und mittlerer Tide beim Bremer Weserwehr etwa 327 cbm/sek. und steigt kontinuierlich bis zu einem Wert von ca. 6600 cbm/sek. bei Bremerhaven.

 

Die Wassermenge in Ober- und Mittelweser ist erheblich geringer als in der Unterweser. Durch den ständigen Gezeitenwechsel (zweimal am Tag wechseln sich Ebbe und Flut ab) braucht jedoch ein Wasserkörper wesentlich länger, nämlich zwischen 2 und 24 Tage, um die relative kurze Strecke auf der Unterweser bis zur Nordsee zu überwinden.

 

Außenweser

Als Außenweser wird die Weser ab Bremerhaven bezeichnet. Ihre Uferstrukturen gehen fließend in das Wattenmeer über und sind nur bei Niedrigwasser optisch zu erkennen.

 

Nebenflüsse

Diemel

Bei Bad Karlshafen mündet die Diemel, die aus dem Rothaargebirge herabfließt, in die Weser. Die 20 Mio. Kubikmeter fassende Diemeltalsperre dient der Weser als Wasserreservoir in Niedrigwasserperioden.

 

Werre

Unterhalb von Bad Oeynhausen trifft die Werre aus dem lippischen Bergland auf die Oberweser bei Rehme.

 

Aller

Die Aller entspringt im Raum Helmstedt - Alvensleben und umfaßt mit einer Lauflänge von etwa 240 km ein Wassereinzugsgebiet von ca. 15743 qkm, bevor sie bei Verden in die Mittelweser mündet. Sie durchfließt die Bördengebiete und Teile der Lüneburger Heide und nimmt die Flüsse Oker aus dem nördlichen Harzgebiet und die Leine aus dem Westharz und dem Harzvorlandgebiet auf.

 

Leine

Die Leine entspringt im Eichsfeld und mündet nach ca. 280 km Lauflänge und einem Wassereinzugsgebiet von rund 6526 qkm nördlich von Hannover in die Aller.

 

Lesum

Die Lesum mündet unterhalb von Bremen in die Unterweser. 10 km oberhalb ihrer Mündung entsteht sie durch den Zusammenfluß der Flüsse Wümme und Hamme.

 

Hunte

Die Hunte hat ihre Quelle im Wiehengebirge und mündet nach ca. 165 km Lauflänge und einem Wassereinzugsgebiet von rund 2640 qkm bei Elsfleth in die Unterweser. Der Tideeinfluß auf der Hunte reicht bis Oldenburg.

 

Hoch- und Niedrigwasser

Die Wasserführung der Weser ist starken Schwankungen unterworfen: Hoch- und Niedrigwasser können einen Höhenunterschied von 5 Metern und mehr erreichen.

 

Die Schrecken und zerstörerische Wirkung von Hochwassern begleiten die Geschichte der Menschen an der Weser in allen Stromabschnitten.

An der Oberweser erreichte der Wasserstand im Juli 1342 seine Höchstmarke, die bis heute nicht wieder überschritten wurde. Die Siedlungen an der Oberweser wurden durch die Hochwasserwelle teilweise zerstört, zahlreiche Menschen - allein 70 Bürger der Stadt Bodenwerder - starben in den Fluten. 1491 vernichtete ein Hochwasser ein ganzes Dorf: Stavern bei Nienburg war nach Ablaufen des Hochwassers verschwunden. Das Winterhochwasser erreichte am 6. Januar 1643 bei Hameln einen Wert, der nur 8 cm unter der Höchstmarke von 1342 lag.

Immer wieder gingen bei Hochwasser wichtige Brücken über die Weser verloren: 1655 die Bremer Weserbrücke, 1658 die Brücken von Höxter und Rinteln und 1799 folgte die Weserbrücke in Hameln.

Doch auch in diesem Jahrhundert treten immer wieder verheerende Hochwasser ein, die zu großen Schäden führen.

 

Das Niedrigwasser in der Weser hat gleichfalls negative Auswirkungen auf die Menschen im Weserraum: Die ”Hungersteine” in der Weser, die nur bei Niedrigwasser in der Weser hervor traten, zeugen von den Sorgen, wenn die Schiffahrt eingestellt werden mußte. Eine der schlimmsten Situationen trat 1911 ein: der Wasserstand der Weser bei Hameln betrug nur noch 30 Zentimeter.

 

 

 

Grundwasser

Im Wesergebiet sind zwei unterschiedliche Grundwasserregionen anzutreffen: Die Festgesteinsgebiete des Weserberglandes, die relativ schnell auf Niederschläge reagieren, und das Lockergesteinsgebiet der norddeutschen Tiefebene, die Niederschläge leichter aufnehmen.

 

Urzeit

Erste Spuren einer Weser finden sich im jüngeren Abschnitt des Tertiäres, dem ältesten Teil der erdgeschichtlichen Neuzeit. Vor etwa 12 Millionen Jahren muß es einen Fluß, nennen wir ihn Weser, im Gebiet der heutigen Oberweser gegeben haben. Funde von typischen ”Weserkiesen” lassen diesen Schluß zu. Wo dieser Fluß mündete, bleibt eine offene Frage.

 

Das Zeitalter der Eiszeiten, das Diluvium, schloß sich vor ca. 400.000 Jahren an und dauerte bis vor ca. 20.000 Jahren. Drei Eiszeiten gestalteten die Landschaft neu und so konnte auch die Weser nicht unberührt bleiben. Vermutungen aufgrund von Funden von Wesergeröll - z.B. in Holland - weisen darauf hin, daß die Weser ab Minden eine Zeitlang am nördlichen Rand dem Wiehengebirge folgte, um dann weiter in Richtung Ijsselmeer (Zuidersee) zu fließen.

 

Sobald die sich zurückziehenden Eiszeiten den Weg wieder frei gaben, änderte die Weser ihren Lauf in Richtung Norden. Die sogenannten Urstromtäler zogen die Weser aufgrund der topographischen Situation an. Schmelzwasser von den Gletschern und Niederschlagswasser aus den Mittelgebirgen vereinten sich zu Urströmen, die sich auch heute noch in Niederungen zwischen Geestplatten erkennen lassen.

 

Das am weitesten südlich gelegene Urstromtal, das Tal des Aller-Weser-Urstroms, reichte von der mittleren Oder (Breslau) über den Mittellauf der Elbe bis zur Wesermündung. Etwa in Höhe der heutigen Stadt Hoya an der Mittelweser vereinten sich der Aller-Urstrom und die Weser, um anschließend in das Bremer Becken zu strömen. Doch auch der Mündungstrichter der Weser schwankte über die Jahrtausende hinweg zwischen Wangerooge und Helgoland.


Der Fluß - Der Nutzen und die Funktion der Weser

 

Die Weser hat viele Gesichter: Wirtschaftsfaktor und Erholungsraum, Lebensraum für Flora und Fauna, Standortfaktor für wasserorientierte Unternehmen und Kraftwerke, Freizeitangebot für Wassersportler und Angler, Entwicklungsachse für Kultur und Tourismus, Lieferant für Brauchwasser sowie Sammler und Transportmedium für das Abwasser von Industrie, Gewerbe und 7 Mio. Menschen, die im Einzugsgebiet der Weser leben.

 

Schon in früher Zeit hatte das Wesertal eine große Bedeutung für die Menschen. In rasantem Tempo wich die Urlandschaft der Weserregion den Siedlungen mit ihren landwirtschaftlichen Nutzflächen. Der letzte Auenwald ist im 14. Jahrhundert gerodet worden. Die Christianisierung der Weser-Region begann um 900 und gab wesentliche Impulse für die kulturelle Entwicklung Norddeutschlands. Die Lage von Kloster Corvey bei Höxter spielte dabei eine bedeutende Rolle, weil die Weser schon frühzeitig ein Handelsweg vom Süden in den Norden war.

 

Der Fluß galt von altersher als wichtige Lebensader. Er spendete Trink- und Nutzwasser für den Lebensalltag. Gleichzeitig war er der einzige Transportweg. Seit dem 8. Jahrhundert wird die Weser von Schiffen befahren. Das hatte zur Folge, daß sich in den einzelnen Städten sehr früh Privilegien für die Schiffahrt entwickeln konnten. Damit waren die Voraussetzungen für die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung der gesamten Region geschaffen.

 

Durch Stromschnellen, Kiesbänke und viele Nebenarme war die Schiffahrt auf der Weser nur sehr eingeschränkt möglich. Aufgrund der ständig schwankenden Wasserführung der Weser war der Schiffsverkehr nicht verläßlich und mußte in besonders trockenen Zeiten sogar eingestellt werden.

 

Die Aufgabe war, gute Bedingungen für eine durchgängig schiffbare Wasserstraße zu schaffen. Deshalb begann man schon früh, durch wasserbauliche Eingriffe die Schiffahrtshindernisse zu beseitigen, um die Schiffbarkeit des Flusses zu verbessern.

 

Die Weser hat ihre Funktion als Schiffahrtsweg für Gütertransporte über die Jahrhunderte hinweg bis in die Gegenwart behalten. Aber auch Personenschiffe beleben das Bild auf der Weser. Besonders im Sommer nutzen Tausende von Wasserwanderern und Wassersportlern den Fluß als Freizeiteldorado.

 

Die gewerbliche Fischerei ist in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen. Nur vereinzelt haben sich Betriebe gehalten. Die Zahl der Angler und Sportfischer an der Weser wird auf über 18.000 geschätzt. Camping, Wandern und andere Formen der Freizeitnutzung an und auf der Weser belegen die herausragende Bedeutung des Lebensraumes Weser für die Menschen.

 

Für die Energiegewinnung hat die Weser ebenfalls Bedeutung. Sie ist Standort für mehrere Kraftwerke auf Basis von Kohle, Gas sowie Kernkraft und ermöglicht weiterhin die Energiegewinnung aus Wasserkraft über die Staustufen an der Mittelweser. Die installierte Leistung beträgt etwa 30 MW, die erzeugte Strommenge beläuft sich auf ca. 200 Mio. kwh.

 

Die in Kläranlagen gereinigten industriellen Abwässer werden über die Weser entsorgt und belasten das Gewässer. Die gleichfalls mit Restschmutzfrachten belasteten kommunalen Abwässer von ca. 7 Mio. Menschen werden aus den Kläranlagen direkt oder über Nebenflüsse in die Weser eingeleitet. Zusätzlich belasten die Abwasser aus der Kali-Industrie sowie die Kühlwassereinleitungen aus den Kraftwerken das Gewässer. Die intensive landwirtschaftliche Nutzung der Weseraue prägt nicht nur das Landschaftsbild, sondern trägt durch den Schadstoffeintrag aus der Düngung zur Gewässerbelastung bei.

 

Heute erleben wir den Weserraum als eine Kulturlandschaft, geprägt von Land- und Forstwirtschaft, Kiesabbbau sowie sehr unterschiedlichen Industrieansiedlungen.

 

Die Eingriffe und Veränderungen in allen Abschnitten der Weser haben zu erheblichen ökologischen Einschränkungen des Lebensraumes in und an der Weser geführt. Insbesondere der gewässerökologische Wert hat sich über die Jahrzehnte verschlechtert. Uferbefestigungen, das Verfüllen von Altarmen, die starke landwirtschaftliche Nutzung in der Weseraue, die Salzbelastung durch den Kaliabbau sowie Abwassereinleitungen haben das ökologische Gleichgewicht beeinträchtigt. Das hat zu einer Monotonisierung der Landschaft und Verringerung der Artenvielfalt von Flora und Fauna geführt.

 

Die Entwicklung hat sich jedoch im letzten Jahrzehnt umgekehrt. Investitionen in Milliardenhöhe in neue Kläranlagen bei Kommunen und Unternehmen, die drastische Reduzierung der Salzeinleitungen aus der Kali-Industrie sowie die Berücksichtigung der Belange des Naturraumes Weser und viele einzelne Maßnahmen haben zu einer nachhaltigen Verbesserung geführt.


Der Naturraum - Allgemeines

 

Der Naturraum Weser, das Ökosystem des Flusses und die mit diesem System verbundenen Landschaften rechts und links der Ufer von Weser, Werra und Fulda, stellen besonders sensible Lebensräume dar, die in ihren Funktionen und in ihrem Wert vielfach beeinträchtigt sind. Flußabschnitte sind kritisch belastet, die Weseraue teilweise arm an Flora und Fauna.

 

Erst zu Beginn des Jahrhunderts traten nachhaltige regionale Belastungen des Ökosystems Weser auf. Bis dahin gab es allenfalls kleinräumige Belastungen: die Abwässer wurden überwiegend durch Sickergruben entsorgt und die geringe Siedlungsdichte entlang der Weser ließ nennenswerte Probleme nicht eintreten. Über Jahrzehnte hinweg verursachten die Industrialisierung der Produktion, die Intensivierung der landwirtschaftlichen Bodennutzung, die zu geringe Anzahl und Reinigungsleistung von Kläranlagen sowie regionale Belastungsschwerpunkte wie beispielsweise die Abwassereinleitungen aus der Kaliindustrie in Thüringen und Hessen eine nachhaltige negative Entwicklung. Im Jahre 1956/57 waren zwar ca. 75 % der Bevölkerung im Weserraum an die öffentliche Kanalisation angeschlossen, nur knapp 25 % der Abwässer wurden jedoch vor Einleitung in die Gewässer mechanisch-biologisch geklärt.

 

In den vergangenen Jahrzehnten wurde seitens der verschiedenen Nutzungen und Funktionen der Weser häufig der Naturraum nicht ausreichend beachtet. Dies hat sich mittlerweile geändert: die ökologische Situation im und am Gewässer hat sich verbessert und Flora und Fauna werden in Planungen, Maßnahmen und Projekte einbezogen und stärker als in der Vergangenheit berücksichtigt. Technologische Entwicklungen, so z.B. zugunsten abwasserarmer Produktionsverfahren, größere Reinigungswirkung der Kläranlagen und Methoden modernen Wasserbaus leisten hierbei wertvolle Hilfe. Verschärfte Umweltgesetze, insbesondere die Wassergesetze des Bundes und der Länder, haben ihre Wirkungen gezeigt.

 

Es bleibt aber ein weites Betätigungsfeld, um die Weser wieder zu einem vollwertigen Lebensraum für die gesamte Region zu entwickeln.


Die Landschaft

 

Das Gesicht der Landschaft im Weserraum ist sehr unterschiedlich:

mit Ausnahme hoher Gebirgszüge sind alle Landschaftstypen Deutschlands entlang der Weser vertreten. Dies ist mit ein Grund für den hohen Reiz und die Attraktivität einer Reise entlang der Weser, die sehr abwechslungsreich ist.

 

Das Weserbergland

Das Weserbergland ist überwiegend von zusammenhängenden Wäldern gekennzeichnet. Fichten, Buchen und Eichen dominieren den Waldbestand. In den höheren Regionen finden sich Naturparks mit einem reichen Wildbestand, zum Teil sogar freilebende Waschbären und Mufflons. Es ist eine sanfte, stille Schönheit, die das Weserbergland auszeichnet. Die Weser ist ihr blaues Band, daß ein einzigartiges Ensemble von historischen Fachwerkstädten wie eine Perlenkette miteinander verbindet, gekrönt durch romantische Schlösser und Burgen. Fast hinter jeder Flußschleife wartet eine neue Überraschung.

 

Die Mittelweserregion

Eine weite Marschenlandschaft kennzeichnet die Region an der Weser von Minden bis Bremen. Nur wenige größere Städte durchbrechen die vorwiegend landwirtschaftlich ausgerichteten Strukturen mit teilweise hohem Waldanteil. Heide und Moore begleiten ebenfalls die Weser auf ihrer Reise nach Norden. Historisch einmalige Bauwerke wie beispielsweise Kirchen mit ihren Kulturschätzen aus dem 13. Jahrhundert überraschen den Besucher an der Mittelweser.

 

Die Unterweser-Landschaft

Weite Marschengebiete kennzeichnen die Landschaft rechts und links der Ufer der Unterweser.

 

Die Weser hat sich ihre eigene Landschaft durch die regelmäßigen Hochwasser geprägt, die ungehindert durch Deiche bis an die Geestränder reichten. Ablagerungen aus Sand, Schlick, Ton und Lehm bilden die Grundlage des heutigen Landschaftsbildes zwischen Bremen und der Nordsee. Prägend sind auch die Niederungs- und Hochmoore im Übergangsbereich von Geest und Marsch.

 

Die zum Schutz vor Hochwasser errichteten Deiche haben heute eine Höhe von über fünf Metern. Bevor eine geschlossene Deichlinie diesen Schutz gewährte, mußten die Menschen an der Unterweser ihre Häuser und Stallungen auf erhöhten Stellen, den sogenannten Wurten, bauen. Großräumige Entwässerungssysteme mit einem weit verzweigten Netz von Gräben sorgen gemeinsam mit Schöpfwerken und Sielen für einen Grundwasserstand, der Siedlungen und landwirtschaftliche Nutzungen ermöglicht. Trotz der nicht einfachen Siedlungsbedingungen ist auch in der Unterweserregion ein reiches kulturelles Erbe erhalten geblieben. Insbesondere die Kirchen belegen dies eindrucksvoll.

 

Die Außenweser Bremerhaven / Wattenmeer

Die Unterläufe von Weser und Jade waren in vorgeschichtlicher Zeit vereinigt: gemeinsam mündeten sie im Bereich des Jadebusen in die Nordsee. Die Unterweser veränderte über Jahrhunderte hinweg mehrfach ihren Verlauf. Die Fahrrinnen von Jade und Weser münden heute getrennt voneinander beim Leuchtturm "Roter Sand", ca. 45 km von Bremerhaven entfernt, in die offene Nordsee. Sie unterliegen - trotz der wasserbaulichen Leitwerke - noch immer laufenden Veränderungen, was für Wasserbauer und Schiffahrt eine ständige Herausforderung bedeutet. Seezeichen wie Tonnen, Leuchttürme, Baken und Dalben weisen den Schiffen den Weg. Radar und GPS-Navigation unterstützen als modernste Navigationsmittel die Arbeit der Kapitäne und Lotsen. Trotzdem müssen ständig die Veränderungen der Fahrwasser durch Versandungen beobachtet und durch den Einsatz von Baggern beseitigt werden.