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Verehrte Mitglieder und Kooperationspartner,

 

Mit der am Freitag, 18. August 2017, erfolgten Inbetriebnahme der neuen Weserschleuse in Minden ist ein wichtiger Teilerfolg für die Standortbedingungen der maritimen Wirtschaft und die Hinterlandanbindungen der bremischen und niedersächsischen Häfen an der Weser erreicht worden. Viele Jahre haben sich der Wirtschaftsverband Weser e.V. und der Weserbund e.V. dafür eingesetzt, durch den Neubau der Schleuse in Minden die Voraussetzung für den Einsatz von Großmotorgüterschiffen (GMS) mit einer Länge von 110 m auf der Mittelweser zwischen Bremen und Minden – und damit zum Mittellandkanal - zu ermöglichen. Der Erfolg hat bekanntlich viele Väter – beide Verbände können ein wenig stolz darauf sein, zum Gelingen die wesentlichen Beiträge geleistet zu haben!

 

Können wir das Thema Mittelweser damit zu den Akten nehmen? Die Antwort ist ein klares Nein! Die Voraussetzungen für einen wirtschaftlich vertretbaren Verkehr sind noch nicht erfüllt. Dies möchte ich Ihnen kurz darlegen:

 

1. Für den Verkehr von Europa-Schiffen (Länge: 85 m) bestehen noch auf 16 Flusskilometern Begeg-nungsverbote. Damit wird das zwischen dem Bund und dem Land Bremen vereinbarte Ausbauziel eines uneingeschränkten Begegnungsverkehrs von beladenen Europa-Schiffen noch nicht erreicht. Das wird sich erst ändern, wenn die noch ausstehenden und seit vielen Jahren planfestgestellten 9 Uferrückverlegungen (Aufweitung zu enger Fahrwasserkurven) durchgeführt sind. Bislang liegt nur eine Absichtserklärung des Bundesverkehrsministeriums vor, sechs der neun erforderlichen Baumaßnahmen durchzuführen.

 

2. Für GMS-Verkehre bestehen auch aktuell noch Begegnungsverbote auf insgesamt 43 Flusskilometern bzw. 32 % des Schifffahrtsweges Mittelweser, die einen wirtschaftlichen Einsatz dieser Schiffstypen verhindern, zumindest sehr erschweren werden. Auch deshalb ist es neben den noch ausstehenden 9 Uferrückverlegungen erforderlich, weitere Engpässe in den Stauhaltungen Petershagen, Schlüsselburg und Landesbergen baldmöglichst zu beseitigen.

 

3. Für GMS ist die Talfahrt (Minden – Bremen) nur möglich, wenn die Wasserstände am Pegel Porta einen Wert von 3,00 m nicht überschreiten. Im Durchschnitt der letzten 10 Jahre wurde am Pegel Porta Westfalica an 45 Tagen pro Jahr ein Wasserstand von 3,00 m überschritten. Auch aus diesem Grund ist es zwingend erforderlich, die noch ausstehenden Uferrückverlegungen schnellstmöglich zu verwirklichen, da dann zumindest in diesen Abschnitten ein gefahrloses Durchfahren von GMS durch die Fahrwasserkurven möglich ist.

 

4. In den neuen Schleusen in Minden und Dörverden können nur jeweils ein Europa-Schiff (ES / Länge 85 m) oder ein GMS geschleust werden. In allen anderen Schleusen an der Mittelweser können hingegen in einem Schleusenvorgang zwei ES bzw. ES+GMS geschleust werden. Die bisherigen, sogenannten „Kleinen Schleusen“ in Dörverden und Minden müssen daher dauerhaft in Betrieb bleiben, um Wartezeiten vor den Schleusen zu verkürzen und sicherzustellen, dass bei einem technischem Ausfall der neuen Schleusen in Minden und Dörverden nicht der gesamte Verkehr auf der Mittelweser eingestellt werden muss. Bei der neuen Schleuse Dörverden (140 m, Inbetriebnahme September 2013) hat es im Jahr 2016 an über 150 Tagen einen Ausfall gegeben!

 

5. Ein Transport z. B. von Containern von Minden nach Bremen ist aus wirtschaftlichen Gründen nur durchführbar, wenn eine Fahrtdauer von maximal 14 Stunden sichergestellt ist. Ob das so sein wird, kann zurzeit noch nicht beurteilt werden.

 

6. Die Verkehrsmöglichkeiten für die Binnenschiffe im Sand- und Kiestransport dürfen nicht eingeschränkt werden.

 

Es gibt also genug zu tun, bis am Binnenschifffahrtsweg Mittelweser eine Situation erreicht ist, die dem Ausbaustandard vergleichbarer Binnenwasserstraßen entspricht und damit der transportorientierten Wirtschaft faire Wettbewerbschancen zu anderen Wirtschaftsregionen bietet. Der Wirtschaftsverband Weser e.V. und der Weserbund e.V. werden in ihren Bemühungen für dieses Ziel nicht nachlassen.

 

In diesem Sinne grüße ich Sie herzlich!

Ihr

 

Klaus Wedemeier

Vorsitzender Wirtschaftsverband Weser e.V. + Weserbund e.V.


 

 

 

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